Nirgendwo ist die Bergbaugeschichte so umfassend, aber auch so faszinierend lebendig erfahrbar wie im Oberharz.
Der 19-Lachter-Stollen ist der einzige Wasserlösungsstollen (Entwässerungsstollen) im Harz, den Besucher besichtigen können. Lachter ist ein altes Bergmannsmaß, 1 Lachter entspricht 1,92 m. Diese Besonderheit sollte man sich daher bei einem Besuch im Oberharz nicht entgehen lassen.
Den insgesamt 8.800 Meter langen Stollen, der im 17. Jahrhundert fertiggestellt wurde, diente zur Ableitung des Grundwassers aus den höher gelegenen Erzgruben und war damit Grundvoraussetzung für deren Betrieb. Die Führung im Stollen ist äußerst interessant und vermittelt einen ausgezeichneten Eindruck in die Bergbauhistorie. Man kann selbst mehrere hundert Meter in den Stollen hineingehen und sogar einen 250 m tiefen Schacht einsehen.
Außerdem können Gäste bei der Führung auch gleich selbst das Bergbau- und Pochdiplom ablegen und anschließend eine harztypische Wurstspezialität, den Stümpel, probieren.
Montandenkmal und historisches Schaubergwerk Grube Samson
Die ehemalige Silbererzgrube Samson gehört zu Deutschlands bedeutendsten Montandenkmälern und historischen Schaubergwerken.
Der insgesamt 810 m Tiefe, tonnlägige direkt auf dem Erzgang niedergebrachte Schacht ist als letzter seiner Art im Oberharz heute noch offen und bis in eine Tiefe von 190 m befahrbar.
Wohl nur dem Zufall ist es zu verdanken, dass die gesamte, aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert stammenden Anlage mit ihren beiden Wasserrädern und der Fahrkunst auch nach der Stillegung 1910 fast vollständig und im Originalzustand erhalten geblieben ist. Nirgendwo anders im Harz kann heute noch eine solche alte Schachtanlage an ihrem ursprünglichen Standort besichtigt werden. In Fachkreisen ist die Grube Samson weltberühmt; sie steht mit auf der Liste der internationalen historischen Maschinenbaudenkmäler (International Historic Mechanical Engineering Landmark). Verliehen wurde diese Auszeichnung 1987 durch den Ingenieur-Verband der USA.
Nach der Besichtigung der Grube Samson empfiehlt es sich, die in unmittelbarer Nachbarschaft liegende Grube Catharina Neufang und das Kanarienvogelmuseum zu besuchen.
Oberharzer Bergwerksmuseum Clausthal-Zellerfeld
Das Bergwerksmuseum Clausthal-Zellerfeld ist eines der ältesten technikgeschichtlichen Museen in Deutschland und ist sicherlich eines der faszinierendsten Museen überhaupt. Es verbindet in seinem Inneren bedeutsame Exponate mit original Bergbauanlagen, die man als Besucher selbst entdecken und erleben kann. Auf diese Weise lernt man die Entwicklung des Erzbergbaus vom Mittelalter bis zum Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur theoretisch, sondern auf einzigartige Weise hautnah kennen. Mit der Tagesförderbahn fährt man dabei auf einer 2,2 km langen rekonstruierten Förderstrecke zum Ottiliae Schacht, wo man nicht nur das älteste erhaltene stählerne Fördergerüst Deutschlands, sondern auch noch eine funktionstüchtige Förderanlage besichtigen kann.
Vor allem Kinder begeistert der e.guide EMIL, mit dem man quasi per GPS auf die Spuren des Bergbaus in der Landschaft um das Bergwerksmuseums geführt wird.
Silberbergwerk Lautenthals Glück
Der Oberharz ist nicht nur ein Paradies für Wanderer, Kletterer und Motorradfahrer sondern auch ein Ort, an dem sich Geschichte neu erleben lässt. In einem der ältesten noch befahrbaren Bergwerke des Oberharzes – der historischen Mine Lautenthals Glück – und dem angeschlossenen Bergbaumuseum erfahren Besucher alles über den ehemals bedeutendsten Wirtschaftszweig des Oberharzes: die Edelmetallgewinnung.
In Lautenthal wurde bis Mitte des 20. Jahrhunderts Silber, Blei und Kupfer abgebaut. Das ehemalige Silberbergwerk ist heute eine besondere Besucherattraktion und auch für Familien mit Kindern besonders empfehlenswert. Auf einem Areal von 500 Metern im Landkreis Goslar erwacht der Oberharzer Bergbau erneut zum Leben.
Entlang der Straße zwischen Lautenthal und Wildemann wurden Teilbereiche des ursprünglich im Jahr 1930 stillgelegten Metallerzbergwerks Lautenthals Glück wiederhergestellt und begehbar gemacht. In zusätzlichen Freianlagen und dem Bergbaumuseum lernen Besucher die Funktionsweise von ehemaligen Bergbaumaschinen kennen und können weitere Erfindungen bestaunen, mit denen die Region Oberharz in der Hochzeit des Bergbaus die Edelmetallgewinnung entschieden vorangetrieben und erleichtert hat. Neben einer historischen Lok-Sammlung kann auch eine Ausstellung von Bergbaumaschinen besichtigt werden.
Grubenfahrt in die historische Silbermine
Der Höhepunkt der Besichtigung der Silbermine ist die Einfahrt in den restaurierten Silberstollen. Mit Grubenzügen gelangen Besucher bis in den Hauptschacht der ehemaligen Mine und können sich anschließend von erfahrenen Grubenführen das damalige Leben und die Arbeitsweise der Harzer Bergleute näher bringen lassen. Während des Rundgangs durch die drei Bergwerkssohlen – die Stockwerke des Bergwerks – können die alten Abbaustellen der Edelmetallmine begangen werden. Lohend ist auch ein Blick in die historischen Schächte und auf das tiefste Bohrloch des Stollens – das Bohrort.
Auf 226 Metern Tiefe befindet sich die sehenswerte Kapelle der heiligen Barbara. In dieser unterirdischen Glaubensstätte, die den Namen der Schutzheiligen der Bergleute trägt, fanden in der Vergangenheit Gottesdienste, Hochzeiten und Taufen statt und kann auch heute noch für ähnliche Veranstaltungen genutzt werden. Sehr empfehlenswert ist eine unterirdische Schifffahrt durch das „Venedig untertage“. In der Silbermine „Lautenthals Glück“ wurde nämlich eine unterirdische 150 Meter lange Wasserstraße neu befahrbar gemacht. Somit können Besucher in ehemaligen Erzschiffchen untertage über die fast 450 Jahre alte Wasserlösung der Silbergrube bis zum romantischen Erzkahnhafen gleiten.
Mit der Förderbahn zum Ottiliae-Schacht
Weithin sichtbar ragt am Westrand von Clausthal der Förderturm des Ottiliae-Schachts in den Himmel und kündet von der Vergangenheit der einst vom Bergbau geprägten Stadt. Die 1876 errichtete imposante Stahlkonstruktion ist nicht nur Deutschlands ältestes stählernes Fördergerüst, sondern auch Ziel einer ungewöhnlichen Fahrt mit der Tagesförderbahn.
Startpunkt dieser spannenden Reise in Clausthals Bergbaugeschichte, an der auch Kinder viel Spaß haben, ist Clausthals Alter Bahnhof. Von dem fahren heute nur noch Busse ab – mit Ausnahme der historischen Grubenbahn. Die bringt ihre Fahrgäste auf der gut zwei Kilometer langen Schienentrasse rumpelnd und ratternd durch blühende Wiesen und grüne Wälder zum Ottiliae-Schacht. Schon die Fahrt selbst ist ein Erlebnis, schließlich sitzt man rittlings auf einem Holzbalken in den von der Grubenlok gezogenen Förderwagen. Mit diesen Gefährten wurden schon die Bergleute zu ihren Arbeitsstätten unter Tage gebracht.
Eine fröhliche Spazierfahrt wie für heutige Besucher war diese Fahrt vor und nach einem langen beschwerlichen Arbeitstag für die Bergleute damals sicher nicht. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Erz vom weiter östlich gelegenen Schacht Kaiser Wilhelm II. zur Aufbereitung zum Ottiliae-Schacht gebracht. Hier, zu Füßen des beeindruckenden Fördergerüsts, endet auch für moderne Museumsbesucher die Fahrt mit der Tagesförderbahn, bevor es später zurück geht zum Alten Bahnhof. Doch zuvor können sich die Fahrgäste auf eine kurzweilige geführte Besichtigung der Schachtanlage und ganz besonders auf eine eigens für sie in Betrieb gesetzte alte Fördermaschine und Dampfmaschine freuen.
Oberharzer Wasserregal
Dass es im Oberharz mehr und häufiger regnet als anderswo in Norddeutschland, wird mancher Urlauber unliebsam erfahren haben.
Im Hochharz betragen die Niederschlagsmengen im Jahr mehr als 800 mm. Dieses scheinbare touristische Ärgernis stellte früher und auch noch heute einen unschätzbaren Segen dar, denn ohne das Wasser der Harzbäche und Harzflüsse, das von den Höhen mit großer Geschwindigkeit zu Tal strömt, wäre kein nachhaltiger Bergbau möglich gewesen!
Die in ihm steckende große potentielle Energie, wie es in der Physik heißt, ermöglichte es, angesichts des reichlich vorhandenen Gefälles oberschlächtige Wasserräder zu betreiben - die universellen Motoren zum Antrieb von Maschinen im Bergbau und Hüttenwesen.
Allerdings schwanken die Niederschläge jahreszeitlich erheblich: Im Frühjahr, wenn der Schnee schmilzt gibt es weit mehr Wasser als nutzbar, gleiches gilt für den regenreichen Herbst. Sowohl in trockenen Sommern als auch in frostigen Wintern ist die Wasserführung hingegen oft so gering, dass kein Wasserrad betrieben werden kann. Man begann daher frühzeitig mit der Anlage von Stauteichen, die das kostbare Nass speicherten, um es bedarfsweise an die Gruben abzugeben.
Um Einzugsgebiete zu vergrößern und das Wasser den Bergwerken zuzuführen, entstanden lange Gräben. Heute sind alle diese Einrichtungen im Kulturdenkmal Oberharzer Wasserregal zusammengefasst und unter Schutz gestellt.
Im westlichen Oberharz, mit Schwerpunkt um die Bergstädte Clausthal und Zellerfeld, entstand ein weiträumig vernetztes System, bestehend aus einstmals etwa 120 Teichen, 500 km Gräben, 18 km hölzerne Wasserleitungen und 30 km unterirdische Gräben, die im Harz Wasserläufe heißen.
Im oben auf dem Berg gelegenen Sankt Andreasberger Revier hingegen fanden sich kaum nutzbare Bäche, so dass hier nur wenige Teiche entstanden. Lediglich der Engelsburger Teich (1662 angelegt) im Breitenbeek, der Hilfe Gottes Teich (im Kurpark) unweit der Grube Samson sowie der als Dammrest erhaltene Bärener Teich (1667 angelegt) am Oderberg zeugen von den Versuchen, Wasser zu stauen.
Die Sankt Andreasberger Zechen erhielten ihr Aufschlagwasser seit Mitte des 16. Jahrhunderts vornehmlich aus dem Einzugsgebiet der Sieber durch den heute noch genutzten Sonnenberger Graben. Später sammelte ein weiterer Graben, der an der Südflanke des Rehberges entlang führte, das in kleinen Rinnsalen und Bächen zur Oder hinab fließende Wasser. Jeder Tropfen Wasser war kostbar! Es handelt sich um den so genannten alten Rehberger Graben.
Als die lange Zeit darniederliegenden Silbergruben Ende des 17. Jahrhunderts allmählich wieder in Schwung kamen, war es in erster Linie Wassermangel, der die wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung ganz entscheidend hemmte. Einziger Ausweg war der aufwendige Bau eines neuen, etwa 7 km langen Grabens, der entlang der steilen Ostflanke des Rehberges bis zur Oder führte, dem einzigen Fluss, der nahezu beständig genügend Wasser führte. 1703 war der Neue Rehberger Graben – von nun an die Lebensader von Sankt Andreasberg – fertiggestellt.
Grube Roter Bär
Die Grube Roter Bär im Osten des Sankt Andreasberger Silbererzrevieres erlebte verschiedene Nutzungen. Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis 1866 wurde in ihr Brauneisenstein, ein Eisenerz, mit Keilhauen (Spitzhacken) abgebaut. Als Zeugnis liegt ein zugänglicher Abbau vor. Ab 1922 wurde nach Brauneisenstein, nach 1924 auf Blei, Kupfer, Zink, Arsen, Antimon, Kobalt, Nickel u. a. untersucht.
Im Jahre 1931 entstand im Tagesstollen der Grube das erste Besucherbergwerk im Harz für zwölf Jahre. 1946-49 erfolgten weitere Untersuchungen; dieses Mal auf Tonstein. Nach dem Ausbau der Grube Samson zum Bergwerksmuseum in den 1950er Jahren verfiel die Grube als einmaliges Zeugnis des früheren Eigenlehnerbergbaus.
1988 war die Grube dann auf Grund mehrerer Verbrüche nicht mehr zugänglich. Mit der Gründung der Arbeitsgruppe Bergbau wurde mit Sicherungs- und Aufwältigungsarbeiten (Ausgrabungsarbeiten) begonnen. Dadurch ist die Grube vorläufig vor dem Verfall gerettet und kann nun wieder mit Besuchern auf 200 m Länge begangen werden. Dieser Bereich soll noch ausgeweitet werden, weil noch weitere 600 m Strecke mit interessanten geologischen Aufschlüssen offenstehen und hinter Verbrüchen weitere Strecken verborgen sind.
Seit 1990 finden im Tagesstollen der Grube Roter Bär regelmäßig Führungen statt. Anders als in „normalen“ Schaubergwerken ist die Grube nicht ausgeleuchtet, jeder Gast muss sich dem Bergwerk anpassen und sich mit Gummistiefel, Helm und Akkukopflampe ausrüsten. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe vermitteln Bergbau „live“, zum Anfassen und Mitmachen. Führungen sind von April bis Oktober immer samstags 14 Uhr. Gruppenführungen nach Voranmeldung auch während der Woche.