Hübichenstein Bad Grund

Juli 2nd, 2010 · Keine Kommentare

Der Zwergen König Hübich

Auf einem Hofe in Grund wohnte einst ein Förster, dessen Frau früh verstorben war, mit seinem einzigen Sohn. Der Junge war ein geschickter Bursche, nur manchmal ein wenig vorwitzig. Eines Tages ging er mit seinen Freunden hinaus ins Holz. Als sie nach dem Hübichenstein hinkamen, sagt einer, den wollte er sehen, der da hinauf klettern könnte. Der Förstersohn meinte, er wagte es wohl und ließ sich auch von den Warnungen der Freunde nicht aufhalten. Als er oben stand, lachte und spottete er über seine Freunde, sie seien so klein wie Zwerge. Doch als er nach einer Weile wieder vom Felsen hinuntersteigen wollte, konnte er seine Füße nicht mehr regen. Niemand konnte ihm helfen, und so bat er die Freunde, ihnen herunterzuschießen, dass er nicht lebendig herunter stürzen müsste. Aber das mochte keiner tun. Nun hatte auch der Vater im Dorf vom Schicksal seines Jungen erfahren. Die alte Förster eilte hinaus und sah mit seinen eigenen Augen seinen Sohn auf dem großen Hübichenstein. Er weinte und war fast von Sinnen vor Betrübnis. Am Abend holte er sein Gewehr von Zuhause und wollte zurück zum Hübichenstein, um seinem Sohn seine Qual zu ersparen. Während er im gehen betete, gesellte sich plötzlich ein kleines Männlein mit Traumbart zu ihm und fragte nach dem Grund seines Kummers. Unter Tränen erzählte der Förster den Männlein die ganz traurige Geschichte. Als der Förster nun am Hübichenstein angekommen, schweren Herzens auf den Sohn zielen und ihn mit einem Schuss erlösen wollte, kamen aus den Hecken und Burschen kleine Männlein hervorgesprungen und warfen den Förster mit Tannenzapfen, so dass dieser nicht schießen konnte. Betrübt zog er wieder von dannen und überließ seinen Sohn dem Schicksal. Unter dessen bildete in die Zwerge aus ihren Körpern eine Leiter, mit deren Hilfe der Förstersohn vom Hübichenstein hinabsteigen konnte. Zwergen König Hübich las dem kecken Burschen ordentlich die Leviten. Als Gegenleistung für seine Rettung sollte er nun über den Hübichenstein wachen. Durch das ständige schießen auf Vögel würde der Fels nämlich immer kleiner, klagte der Zwerg. Und eines Tages könnte er dadurch seine Krone verlieren.

Der Junge gelobte daraufhin, den Stein von nun an zu schützen und kehrte unversehrt zum Vater zurück.

Zwerge und Riesen im Harz

Immer wieder wird in Harzer sagen von reichen Zwergen Völkern berichtet, die im Südharz anzutreffen waren und fast immer vom Oberstenzwerg, dem König seines Stammes regiert wurden. In Elbingerode erzählt man sich vom Zwergen König Echwaldus, in Bodenstein herrschte Wehrkop. Am bekanntesten aber ist heute der Zwergenkönig Hübich, in manchen sagen auch Gübich genannt), dessen Reich unter dem gleichnamigen Felsen bei Badgrund errichtet lag. Allgemein wird von den Zwergen als solchen nur Gutes berichtet. In der Tradition von fleißigen Berichten waren sie Helfer und Heilsbringer. Die Wunschvorstellung der einfachen Menschen fanden somit in der sagen Welt ihren Niederschlag. Doch wo Zwerge hausten, waren auch Riesen nie weit. Diese hatten jedoch weit seltener als die Zwerge etwas mit dem Leben der Harz Bewohner zu tun. Vielmehr versuchte man, sich durch den Glauben an überlebensgroße Gestalten die heimischen Naturphänomene erklärlich zu machen.

Ausflug: ein Spaziergang zum Hübichenstein

Für einen Ausflug zum Hübichenstein braucht man weder eine besondere Konditionen noch viel Zeit. In 1 h lassen sich hin und Rückweg gut bewältigen genau das Richtige für einen kleinen Spaziergang.

Vom Kurzentrum aus gelangt man nach 100 m zunächst auf den hübschen Marktplatz, der von Fachwerkhäusern gesäumt ist. Schnell merkt der Besucher, wie sehr sich das Kurstädtchen seinem Zwergen König verbunden fühlt. Zunächst trifft man auf einen schönen, reich verzierten Holzwegweiser, in denen verschiedene Sagensmotive, aber auch Szenen aus dem Bergbau geschnitzt worden sind. Bevor es nun, den Wegweiser folgen, rechts auf den Hübich Weg zum Felsen geht, lohnt ein Besuch der Sankt Antonius Kirche am Markt. Der sage nach soll die Holzkirche von jenem Förstersohn gestiftet worden sein, denen der Zwerg üblich das Leben gerettet haben soll. Das Geld dazu hatte der Zwergenkönig geschenkt. Vielleicht erinnert auch deswegen die kleine Brunnenschale neben dem Eingang der Kirche ebenfalls an den grau bärtigen Hübich.

Nun soll es aber endlich hinauf gehen zu dem sagenhaften Ort. Am Ende der Straße Hübich Weg führt ein ausgewiesener Waldweg geradeaus weiter zum Plateau unterhalb des Felsens. Gut 1 km weit ist es bis hierhin. Jedes Jahr in der Nacht zum ersten Maifeiern an dieser Stelle Tausende Menschen das Wallpurgisfest, daher auch der Name Wallpurgis Spielplatz. Etwa 50 m ragt der spitze Fels in die Höhe, erdgeschichtlich zählt er zum Kalkstock des Ibergs und ist durch Verwitterung im Laufe der Jahrtausende entstanden. Über Stufen lässt sich der Hübichenstein in wenigen Minuten erklimmen.

Oben thront ein bronzene Adler, der einst Kaiser Wilhelm gewidmet wurde. Von der Felsenspitze aus kann man im Tal den Ort Bad Grund liegen sehen, wohin der Weg anschließend wieder hinab führt.

Anfahrt mit dem Auto: von Goslar aus über die B2 141 nach Clausthal Zellerfeld und weiter die über die B 242 nach Bad Grund oder von Riesen Richtung Osterode und auf der B2 142 nach Bad Grund, Parkplätze oberhalb des Kurzentrums.

Besonderheit: wer den Hübichenstein im Rahmen einer anderen Tour unterbringen möchte, kann an der B2 142 Richtung Seesen auch direkt unterhalb des Felsens parken.

Extra: das 1984 gegründete Uhrenmuseum zeigt auf 800 m² eine kulturhistorisch einzigartige Uhrensammlung, deren Exponate alle voll funktionsfähig sind. Uhrenmuseum Bad Grund, Elisabeth Str. 14,3753 neun Badgrund, Telefon 05 327/1020, Dienstag bis Sonntag 10 bis 18:00 Uhr

Tags: Sagen und Mythen

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