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Harzidyll

Walpurgis in Braunlage

 
Die Hexen zu dem Brocken ziehn,
Die Stoppel ist gelb, die Saat ist grün.
Dort sammelt sich der große Hauf,
Herr Urian sitzt oben auf.
So geht es über Stein und Stock,
Es farzt die Hex, es stinkt der Bock.


(Johann Wolfgang von Goethe, Faust I, 1808)

 

Wenn heutzutage in der Nacht zum 1. Mai die als Hexen oder Teufel Verkleideten den Frühling mit großen Wallpurgis
Feiern begrüßen und ums Feuer tanzen, dann geht es wesentlich gesitteter zu als
in Goethes Faust. Ob auf dem Hexentanzplatz bei Thale, Braunlage oder Goslar:
immer steht bei den von Umzügen und Feuerwerk begleiteten Feiern der Spaß am
bunten Treiben im Vordergrund. Seinen Namen verdankt das Fest übrigens der
hl.Walburga, die am 1. Mai ihren Namenstag hat und als Schutzpatronin gegen das
verhext werden bei Mensch und Tier gilt. Doch dass man sich wirklich in die
Obhut der Heiligen begeben muss, daran glaubt heute kaum jemand mehr.

 

Als Goethe den Faust Anfang des 19. Jahrhunderts
niederschrieb, war das noch anders: erst 1777 wurde das letzte Todesurteil
gegen eine angebliche Hexe in Deutschland vollstreckt, Goethe griff also mit
seinen Schilderungen der Walpurgisnacht auf den Brocken Vorstellungen auf, die
manchen seiner Zeitgenossen noch ausgesprochen real erschienen. Umso mehr traf
das am Ende des 15. Jahrhunderts zu, als die Hexenverfolgung mit voller Wucht
über Deutschland und Europa hereinbrachen. Bis zu ihrem Ausklingen am Ende des
18. Jahrhunderts fielen ihr etwa 100.000 Frauen und Männer zum Opfer. All die
Schicksalsschläge, die das Leben überschatteten, meinte man auf den
"Schadzauber“ eine Hexe oder eines Zauber zurückführen zu können: ob
nun ein junger Bauerssohn von seinem Pferd tot getreten wurde, während eine
alte Frau vorüberging, oder einer Händlerin der Rücken schmerzte, nachdem sie
mit der Nachbarin in Streit geraten war: immer glaubte man an Hexerei- und
forderte Hilfe vom Staat oder Kirche. So war der Hexenhammer von 1487, eine
Zusammenfassung der Hexenlehrer, vor allem der Versuch, Ordnung in einer Welt
der Zauberei zu bringen und weltlichen und kirchlichen Gerichten dabei zu
helfen, Hexen zu überführen. Um die Wahrheit zu erfahren, griff man fast immer
zur Folter- und das Urteil lautete unausweichlich auf Todesstrafe. Erst mit dem
Aufkommen der Aufklärung am Ende des 17. Jahrhunderts endeten die Prozesse
allmählich.

 

Warum Goethe seine Walpurgis -nachtszene auf den Brocken
verlegte, ist ungewiss, womöglich ließ er sich von seiner Brockenbesteigung in
Dezember 1777 inspirieren. Ein geeigneter Schauplatz ist der oft sturmumtoste
und Nebel verhangen der Gipfel aber allemal. Zudem war der Harz im 16. und 17.
Jahrhundert tatsächlich einer der Brennpunkte der Hexenverfolgung in
Deutschland.

 

 

 

 

 

Walpurgis Umzug
Hexen in Braunlage
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Hexen im Harz
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